Wer das jüngste BahnCard-Chaos verstehen will, muss es im größeren Kontext betrachten – denn es ist kein Einzelfall, sondern symptomatisch für den Zustand eines Konzerns, der seit Jahren strukturell strauchelt. Frechheit der Deutschen Bahn? BahnCard-Rabatt fällt plötzlich auf Strecken weg – warum wird es immer wilder bei DB?
Wer regelmäßig mit der Bahn fahren muss, braucht starke Nerven. Das wissen alle, die morgens auf dem Bahnsteig stehen und auf die Anzeigetafel schauen. In der stillen Hoffnung, dass der Zug diesmal vielleicht doch pünktlich kommt. Häufig ist er das nicht. Oder er kommt gar nicht. Aber das ist eine andere Geschichte – oder eigentlich doch dieselbe.
Dieser Beitrag handelt von einem konkreten Erlebnis, das exemplarisch zeigt, wie die Deutsche Bahn es schafft, ihre treuesten Kund:innen systematisch zu vergrätzen. Nicht durch eine große Katastrophe. Sondern durch eine Abfolge kleiner Nadelstiche, die sich zu einem handfesten Desaster addieren, wie folgender Erfahrungsbericht zeigt.
Frechheit der Deutschen Bahn? BahnCard-Rabatt-Streichung
Ich bin BahnCard-Inhaber. Ich kaufe sie jedes Jahr, weil ich regelmäßig auf meiner Stammstrecke unterwegs bin – einer Verbundstrecke im Regionalverkehr, auf der mir als BahnCard-Kunde seit Jahren ein Rabatt von 50 Prozent auf Einzelfahrscheine zusteht. Zumindest stand mir das zu. Denn seit dem 1. Januar ist alles anders.
Ohne Vorwarnung, ohne Ankündigung, ohne eine einzige E-Mail entfiel der BahnCard-Rabatt auf genau dieser Strecke. Kein Brief, kein Hinweis im Kundenkonto, kein Aushang am Bahnhof. Ich bemerkte es erst, als ich online buchen wollte und plötzlich den vollen Preis sah. Ich dachte zunächst an einen Fehler. War es aber nicht.
Was war passiert? Der zuständige Verkehrsverbund hatte entschieden, die Rabattgewährung für BahnCard-Inhaber:innen einzustellen – offenbar, weil die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eine Fortführung nicht mehr erlauben. Eine nachvollziehbare Entscheidung vielleicht. Aber eine, die den Kund:innen gegenüber kommuniziert werden muss. Das ist das Mindeste.
Kündigung der BahnCard? Fehlanzeige.
Ich schrieb die DB an. Mein Anliegen war einfach: Wenn die Leistung, für die ich die BahnCard gekauft habe, wegfällt, möchte ich aus dem Vertrag heraus. Sofortige Kündigung. Kulanz. Irgendetwas.
Die Antwort: Nein. Eine außerordentliche Kündigung sei nicht möglich. Die BahnCard laufe bis zum Ende der regulären Vertragslaufzeit. Basta. Auf das eigentliche Problem – dass ein zugesagter Rabatt ersatzlos gestrichen wurde – ging die Mitarbeiterin mit keinem Wort ein. Als hätte ich über das Wetter gesprochen.
Das bedeutet im Klartext: Ich bezahle weiterhin die jährliche BahnCard-Gebühr, fahre aber auf meiner Hauptstrecke zum vollen Preis. Meine Fahrkosten haben sich effektiv verdoppelt. Und das auf unbestimmte Zeit, bis der Vertrag ausläuft.
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Das Deutschlandticket als Ausweg – oder auch nicht
Also kaufte ich mir ein Deutschlandticket. Wenigstens das sollte die Situation abfedern. Am ersten Morgen mit dem neuen Ticket stand ich pünktlich auf dem Bahnsteig – und wartete. Die Regionalbahn fiel aus, keine Alternative, kein Ersatzverkehr. Einfach weg.
Ich hatte an diesem Tag einen wichtigen Termin. Unverschiebbar. Also tat ich das, was mir in diesem Moment als einzige Option blieb: Ich kaufte ein IC-Ticket, mit dem Deutschlandticket in der Tasche, das mir gerade gar nichts nützte.
Drei Tickets für eine Fahrt. Bitter, oder? Und auch der IC kam übrigens deutlich zu spät an.
Frechheit der Deutschen Bahn? Kaum Hoffnung
Ich war nie ein genereller Bahn-Hasser. Ich bin jemand, der aus Überzeugung auf das Auto verzichtet und den öffentlichen Nahverkehr nutzen will. Aber was die Deutsche Bahn hier abliefert, ist keine Panne – es ist Programm. Leistungen werden still gestrichen. Verträge werden nicht angepasst. Kundschaft wird nicht informiert. Und das alles bei Verspätungen auf Rekordniveau!
Das Mindeste, was man von einem Unternehmen erwarten kann, das seine Kund:innen langfristig an sich binden will, ist Transparenz und Kulanz, wenn sich die vertraglich vereinbarten Leistungen ändern. Stattdessen: Schweigen, Verweisung auf das Kleingedruckte und ein müdes Achselzucken.
Kriegt die DB noch einmal die Kurve? Ich wünsche es mir. Wirklich. Aber mit jedem Erlebnis wie diesem wird es schwerer, daran zu glauben.
Hinweis: Trotz sorgfältiger Recherche alle Angaben ohne Gewähr, Erfahrungsberichte entsprechen Einzelmeinungen.